Jahrbücher für Geschichte Osteuropas
Ausgabe: 59 (2011) H. 2
Verfasst von: Christoph Schmidt
Vitalij A. Voropanov Sud i pravosudie v Rossijskoj imperii vo vtoroj polovine XVIII – pervoj polovine XIX vv. Regional’nyj aspekt: Ural’ i Zapadnaja Sibir’ (opyt sravnitel’no-sopostavitel’nogo analiza). Čeljabinsk: ČI UrAGS, 2008. 606 S., Tab. ISBN: 978-5-8056-0175-1.
Seit der Oktoberrevolution ist das bis dahin so fruchtbare Feld der Rechtsgeschichte nahezu verwaist. Umso größer die Freude, wenn der Bann sich allmählich zu lösen beginnt und eine neue Generation zu alten Fragen findet. Voropanov betrachtet den Verlauf der Justizreformen von Katharina II. bis Alexander II., fügt aber einen sehr willkommenen Aspekt hinzu, und zwar die Beteiligung der nichtrussischen Ethnien im südlichen Ural wie Kalmücken oder Baškiren. Sein Erkenntnisinteresse ließe sich am ehesten mit dem Stichwort der Behördengeschichte umreißen, denn es sind vor allem die Gerichte und deren Zusammensetzung, die er penibel nachzeichnet. So stellt er anhand von Archivalien auch fest, dass die Wahl der Beisitzer doch recht mühsam war und der Anteil gewählter Gerichtsangehöriger im Laufe des 19. Jahrhunderts sogar abnahm.
Mitunter aber ergibt sich der Eindruck, dass der Verfasser seiner „Von-oben“-Perspektive doch etwas zu stark verhaftet bleibt, so wenn er auf S. 577 behauptet, die Monarchie habe es verstanden, alle Untertanen zu einer einheitlichen Schicht zusammenzuschließen. Dies widerspricht den Erkenntnissen auch in der Rechtsgeschichte so elementar, dass sich die Frage anschließt, ob Voropanov nicht besser daran getan hätte, die Fixierung auf Gerichte durch das Gewohnheitsrecht zu erweitern. Dinge, die in den letzten Jahren sehr von sich reden machten wie Korruption, Amtsmissbrauch oder Nepotismus interessieren den Verfasser eher am Rande. Dies ist sehr bedauerlich, weil Gerechtigkeit ja immer nur ein Ziel ist, dem ein Gericht manchmal näher kommt und manchmal nicht. Diesen Prozess der Annäherung hätte man daher auch etwas schärfer abbilden können. Vielleicht ist diese Erwartung für einen Neuanfang aber schon etwas überzogen. Alles in allem bleibt daher ein sehr positiver Eindruck.
Christoph Schmidt, Köln
Zitierweise: Christoph Schmidt über: Vitalij A. Voropanov Sud i pravosudie v Rossijskoj imperii vo vtoroj polovine XVIII – pervoj polovine XIX vv. Regional’nyj aspekt: Ural’ i Zapadnaja Sibir’ (opyt sravnitel’no-sopostavitel’nogo analiza). Izdat. Čeljabinskij institut (filial) FGOU VPO Ural’skaja akademija gosudarstvennoj služby Čeljabinsk 2008. ISBN: 978-5-8056-0175-1, http://www.dokumente.ios-regensburg.de/JGO/Rez/Schmidt_Voropanov_Sud_i_pravosudie.html (Datum des Seitenbesuchs)
© 2011 by Osteuropa-Institut Regensburg and Christoph Schmidt. All rights reserved. This work may be copied and redistributed for non-commercial educational purposes, if permission is granted by the author and usage right holders. For permission please contact redaktion@osteuropa-institut.de